BALKAN-BASAR

Samstag, 05. März

Bunter Balkanbasar im Kulturhaus Milbertshofen
Das hat das Kulturhaus Milbertshofen noch nicht erlebt: Vor dem Eingang eine Traube von Menschen, Betrieb auf allen Ebenen, im 1.Stock Kaffee und Kuchen, im 2. Stock ein Paradies für Kinder mit Spielen, Vorlesen und Kinderschminken, im 3.Stock Raum für Vorträge, im Erdgeschoß die Stände des Balkanbasars und die Bühne für die Auftritte der Kulturgruppen, und sogar im Freien die Bierbänke und das Bewirtungszelt, wo unablässig Cevapcici, Pljeskavica (in Bayerisch: Fleischpflanzeln!) und Pommes hergestellt wurden (bereits um 17.00 waren die Cevapcici auch schon ausverkauft!).

FOTO: Maja Gugleta

Der traditionelle Balkanbasar zauberte ein buntes Leben in das Milbertshofener Kulturhaus, das sich für eine solche Veranstaltung als bestens geeignet erwies. Aber der Reihe nach: Am Samstag, den 5. März kamen bereits um 10.00 Uhr die ersten Aussteller und bauten ihre Stände auf: der serbische Kulturverein Jelek,  die bosnische Kulturvereinigung Nikola Tesla und auch die aus Tuzla in Bosnien-Herzegowina angereiste Kulturgruppe Tuzlanke, um einige Beispiele zu nennen. Um 12.00 Uhr startete dann das Programm mit den Kindern der beiden Sonnila-Kinderkrippen, die mit Begeisterung zusammen mit ihren Erzieherinnen ihre Kinderlieder präsentierten. Anschließend tanzte die Kindergruppe des Kulturvereins Nikola Tesla in ihren bosnischen Trachten und riss die Besucher in ihren Bann.  Danach begeisterte die elfjährige bosnische Sängerin Adna Obuca das Publikum und stellte neben ihren Liedern auch ihre Gedichte vor, die sie ihrem Vater gewidmet hat. Wirklich bemerkenswert! Eine besondere Einlage machte der erst am Morgen in München angekommene Chor Tuzlanke, der auch nach der langen Reise brilliant Lieder aus den Balkanländern  präsentieren kann. Eine weitere Besonderheit war der Auftritt des Chors “Nur” der islamischen Gemeinde Tevhid aus München, die einige religiöse Lieder vorstellten.

Um 15.00 Uhr startete dann der Reigen der Balkankulturgruppen, der von Maja Gebhardt gekonnt moderiert wurde. Den Auftakt machte die bosnische Kulturgruppe Ljiljan, die erst seit kurzer Zeit besteht. Nach ihr kam die Münchner Kulturgruppe Gajda, die seit Jahren die Tänze des Balkans pflegt, gefolgt von der bosnischen Gruppe Divanhana, die aus Klagenfurt zu den Balkantagen angereist war. Unseren bayerischen Volkstänzen verwandt sind die Tänze der slowenischen Gruppe Lipa, die traditionell bei unseren Balkantagen vertreten ist. Ganz anders die albanische Gruppe Iliria, die mit ihren schwungvollen Tänzen eine andere Kultur zeigte und wie alle anderen Gruppen das dicht an dicht stehende Publikum im Saal zu Begeisterungsstürmen hinriss. Die Gruppe Oro brachte die mazedonische Kultur zur Geltung, gefolgt von der bosnischen Gruppe Sevdah und der serbischen Gruppe Jelek, die wie jedes Jahr die Besucher begeisterte. Ein besonderer Gast war die bosnisch-herzegowinische Gruppe Bosona, die eine sechsstündige Anfahrt aus dem Tessin in der Schweiz hinter sich hatte, um an unseren Balkantagen teilzunehmen. Den krönenden Abschluss des Folkloreprogramms machte die bulgarische Kulturgruppe Lazarka, die mit ihren Trachten und gekonnten Darbietungen einmal mehr das reiche Volkstum der Balkanländer zeigte.

Trotz des bunten Programms im Erdgeschoß fanden sich genügend Besucher zu den Vorträgen von Anreas Keiser und Bernd Posselt im 3. Obergeschoß ein, durch die zwei besondere Themen der Balkantage aufgegriffen wurden: Herr Keiser, der Vorstandsmitglied der Deutsch-Bulgarischen Vereinigung in Bayern ist, stellte die Frage „Balkan-was ist das eigentlich?“ und vollzog eine landeskundliche „Annäherung an eine faszinierende Region“. Der ehemalige Europaabgeordnete Bernd Posselt hatte seinem Vortrag den Titel „Balkanbild und Balkanrealität“ gegeben und zeigte auf, wie der negative Ruf der Balkanregion entstanden war und was geschehen muss, um zu einem positiven Balkanbild zu kommen, eine Aufgabe, die er in den Balkantagen des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch vorbildlich verwirklicht sieht.

Den Ausklang eines gelungenen Festes machten Almir Cajic und Asmir Jahic, die mit ihren traditionellen Musikstücken zum Mitsingen und Tanzen anluden, so dass bald eine bunte Kette von Kolotänzern den Saal bevölkerte und die letzten eineinhalb Stunden erlebnisreich abrundete.

KONZERT Catch-Pop String-Strong

Sonntag, 06. März

Foto: Nils Nebe

Am Sonntag den 06. März erlebten die zahlreichen Besucher in der Black Box im Gasteig ein umfangreiches Programm aus Film und Musik. Kurator der Balkanfilmtage, Oliver Tataru, gab eine kurze Einführung zu den drei in bosnischer Produktion entstandenen Kurzfilmen, „The Chicken“ von Una Gunjak (2014), der Kurzdokumentation „A Day on the Drina “ von Danis und Ines Tanović (2011) und „Real Man’s Film“ vom Nebojša Sliepević (2012). Die Filme bildeten einen dramatischen Spannungsteppich aus dokumentarischer Darstellung gesellschaftlichen Skurrilitäten („Real Man’s Film“), politischen Problemthemen („A Day on the Drina“) und einer rührenden, u.a. mit dem „Best European Short Film Award“ ausgezeichnete Geschichte aus alltäglichen Leben im kriegsbelasteten Sarajevo 1993 („The Chicken“).

Die Geschäftsführerin des Veranstalters "Hilfe von Mensch zu Mensch" e.V. sowie Mitarbeiterin Anela Malinovic eröffneten in Namen des Vereins das kleine Balkankonzert und kündigten das aus Serbien und Kosovo stammende Streich-Duo an.

Das darauf folgende aus Wien angereiste Duo „Catch Pop String Strong“ stellte den Höhepunkt des Abends dar, was der Besucherzuwachs in der im Wechsel zwischen friedlich und bedrohlich anmutenden Farbgewalt strahlenden Black Box nur bestätigte. Die serbische Bratschistin und Lead-Sängerin Jelena Popržan und die kosovarische Cellistin Rina Kaçinari begrüssten das Publikum in deutscher Sprache, getönt durch charmant wienerischen Akzent. Und schon schwang er ein auf das Publikum, der unverkennbare und ungemein dynamische Stilmix der Wahl-Wienerinnen, bestehend aus verschiedenen Kulturen, Epochen und musikalischen Stilmitteln. In deutscher, serbischer und kosovarischer Sprache erzählen die jungen Künstlerinnen Geschichten und interpretieren Stücke von Balkanfolklore über Klassik bis hin zu literarischen Vertonungen, stets verfeinert und verpackt mit einer gehörigen Portion, Schauspiel, Ironie und Humor. Nach 90-minütigem Programm und mehreren Zugaben verabschiedeten sich die Musikerinnen aus den sonst so verfeindeten Heimatstaaten Serbien und Kosovo Arm in Arm mit mehrfacher Verbeugung. Ein toller Abend und ein absoluter Höhepunkt der diesjährigen Balkantage.

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG

Montag, 07. März

Foto: Maja Gugleta

Eröffnung der Fotoausstellungen „Gesichter Bosniens“ und „Balkan in Farbe“ 

Die im Rahmen der 10. Balkantage präsentierte und am 7. März im Münchner Kulturzentrum Gasteig eröffnete Ausstellung „Gesichter Bosniens“ zeigte eine Auswahl von in den Jahren 1935 und 1938 in Bosnien-Herzegowina gemachten Schwarz-Weiß-Aufnahmen der deutschen Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger. Die vom Kroatischen Familienkreis e. V. als Wanderausstellung konzipierte und vor 20 Jahren erstellte Ausstellung wurde zum ersten Mal in der Münchner Seidl-Villa gezeigt. Danach wurde sie in Wien, Zagreb, Sarajevo sowie an weiteren Orten in Bosnien-Herzegowina präsentiert. Für die aktuelle Präsentation in München wurde der einführende Teil der Ausstellung (5 Tafeln mit allgemeinen Inhalten über die Fotografin, über die Geschichte Bosnien-Herzegowinas sowie über das Vorhaben des Projekts) aktualisiert.

Anläßlich der Eröffnung der Ausstellung im Gasteig sprach die Geschäftsführerin des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch e. V., Frau Sadija Klepo, und schilderte das Programm des Vereins, der in den  letzten Monaten bei der Bewältigung der Flüchtlingssituation besonders stark gefordert war. Danach beschrieb sie die Entstehungsgeschichte der Balkantage, welche mittlerweile zu einem festen Bestandteil im Kulturleben der Landeshauptstadt München geworden sind und, neben anderen Sponsoren, auch von der Stadt München finanziell unterstützt werden.

Im Namen des Organisators und Trägers der Ausstellung, des Kroatischen Familienkreises e. V., sprach sein Gründungsmitglied Herr Anto Jeličić und erläuterte, wie und mit welchen Zielen der 1990 in München gegründete Verein diese Ausstellung in seine Kulturtätigkeit integriert und wie er sie technisch realisiert hat.

Die Fotografin Erika Groth-Schmachtenberger (1906 Freising – 1992 Würzburg), die an der „Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen“ (heute Staatliche Fachakademie für Fotodesign, Clemensstraße) in München ausgebildet wurde, hinterließ einen Nachlass von ca. 300.000 Negativen. Die für diese Ausstellung verwendete Auswahl an Fotos (insgesamt 55 Motive) stammt konkret aus jenem Teil des Nachlasses, der im Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Ludwig-Maximilians-Universität aufbewahrt wird. Es handelt sich dabei vorwiegend um Motive aus Brauchtum, bäuerlichem Leben, Handwerk und Tracht. 

Für die musikalische Umrahmung der Ausstellungseröffnung sorgte das Vokalensemble „Tuzlanke“, das mit traditionellen Volksliedern aus Bosnien-Herzegowina auftrat.
Die Ausstellung ging am 12. März zu Ende.
Die Zahl der Besucher der Ausstellung lässt sich schwer schätzen, da sie im Foyer des Carl-Orff-Saales gezeigt wurde, der kein geschlossener Ausstellungsraum, sondern ein stark frequentierter Vorraum vor einem Konzertsaal ist. Eine Registrierung der Besucher war daher unmöglich.

Veranstalter

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Veranstalter der Balkantage ist der 1992 gegründete Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Informationen zum Verein finden Sie unter: www.hvmzv.de.

Pressekontakt

Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Muhjidin Musinbegovic
muhjidin.musinbegovic@hvmzm.de

Förderung

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Kooperation

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