Balkantage 2007-2010

Balkantage 2007

Münchner Balkantage – ein voller Erfolg!

Eine Veranstaltung im Münchner Goetheforum am 12. und 13. Oktober 2007

Hilfe von Mensch zu Mensch e. V.

Mit einem großartigen Konzertabend des Folklore-Ensemble "Danica" gingen am Samstag die zweitägigen Münchner Balkantage zu Ende. Einfühlsam und mitreißend zugleich waren die traditionellen Lieder und Musikstücke der Musikanten aus Salzburg und Wien unter der Leitung von Zoran Šijaković, die den Reichtum der Volksmusik aus den verschiedenen Regionen des Balkanraums lebendig werden ließ, so dass die Zuschauer nicht anders konnten als im Rhythmus zu klatschen oder bei den Kolotänzen mitzumachen.

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Die Münchner Balkantage am 12.und 13. Oktober waren eine gemeinsame Veranstaltung des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. und des Südost-Instituts. Eröffnet wurde die Veranstaltungsreihe mit einer Fotoausstellung "Erinnerungen an die Balkankriege 1991 bis 1999" mit bisher unveröffentlichten Fotos, von denen die meisten von der Gründerin des Vereins, Sadija Klepo, stammen und die bei den von ihr organisierten Hilfskonvois in die Kriegsgebiete entstanden. Bernhard Niebrügge, der während der Kriegsjahre als ARD-Korrespondent selbst in den Balkanländern war, führte in die beeindruckende Ausstellung ein und berichtete von seinen eigenen Erfahrungen in jenen Jahren.

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Der Leiter des Südost-Instituts Dr. Konrad Clewing erläuterte in seiner Einführung, warum das Thema "Eine heikle Nachbarschaft – Deutschland und der westliche Balkan" gewählt wurde. Er stellte heraus, dass die Vorstellungen der Deutschen über den Balkan mit vielen Vorurteilen und Stereotypen belegt sind, wie dies andererseits auch beim Bild von den Deutschen in den Balkanländern der Fall ist. Dies offen anzusprechen und vielleicht auch zu revidieren war eines der Anliegen der diesjährigen Balkantage.

Entsprechend zeigten die drei Lesungen des aus dem Donauraum stammenden Schriftstellers Richard Wagner, der heute in Berlin lebt, Jozo Džambo aus München und Predrag Marković aus Belgrad, welches unterschiedliche Bild bei den Deutschen und den Menschen in den Balkanländern herrscht. Zwischen den Veranstaltungen legte der Pianist Zoran Imširović Zeugnis von seinem großartigen Können ab.

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Die gut besuchte Podiumsdiskussion am Freitagabend war zweifellos der Höhepunkt des ersten Programmtages. Unter der kompetenten Leitung von Professor Marie-Janine Calic von der Ludwig-Maximilians-Universität München diskutierten mit der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation bestens vertraute Fachleute über die aktuellen europäischen Perspektiven der Balkanländer. Der Abgeordnete des Europäischen Parlaments Bernd Posselt und der Bundestagsabgeordnete Rainer Stinner beschrieben die schwierige politische Situation im Zusammenhang mit der Lösung des Status des Kosovo und einer Reform des durch Dayton geschaffenen politischen Stillstands in Bosnien-Herzegowina.

Die bosnische Professorin und Wirtschaftsexpertin Hadžiahmetović und der kosovarische Historiker Cufai stellten die besondere Situation ihrer Länder dar, während Michael Hinterdobler als Vertreter der Bayerischen Staatskanzlei und Alexander Hoeckle von der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern das große Interesse Bayerns bzw. der bayerischen Wirtschaft an stabilen Verhältnissen in den Balkanländern betonten. Das Publikum nahm mit großem Interesse an der Diskussion teil und die große Zahl der Besucher machte deutlich, welch großes Echo diese Veranstaltung fand. In ihrer Begrüßung konnte Frau Klepo auch die Generalkonsuln von Kroatien und Bosnien-Herzegowina als Gäste nennen. Besonders bemerkenswert war die Teilnahme vieler junger Leute, vor allem auch von Studierenden, deren Eltern aus dem Balkanraum kommen.

Dies war auch einer der wichtigen Punkte des Vorsitzenden des Münchner Ausländerbeirats, Cumali Naz, der am Samstagnachmittag das Programm eröffnete. Er stellte fest, dass die in Deutschland lebenden jungen Migranten nicht "zwischen den Stühlen", sondern fest auf "zwei Stühlen" sitzen, indem sie nämlich sowohl ihrer neuen Heimat als auch ihrem Herkunftsland verbunden sind, eine Bereicherung, derer sich die deutsche Gesellschaft noch gar nicht bewusst ist.

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Der Schauspieler Erwin Aljucić, in Deutschland geboren, aber bosnischer Abstammung, führte denn auch gekonnt durch das Nachmittagsprogramm, das die kosovo-albanische Kultur-gruppe Iliria mit ihren mehr als 40 Kindern und Jugendlichen in den Trachten ihrer Heimat eröffnete. Drei Studentinnen aus Stuttgart, die ein Jahr lang mit Kindern verschiedener sozialer und ethnischer Herkunft in mehreren Orten in Bosnien-Herzegowina ein "Zirkusprojekt" des Vereins Hilfe von Mensch zu Mensch durchführten, gaben einen Einblick, was für Aktivitäten ihr "Zirkus Šarinelli" mit den bosnischen Kindern einübte und am Ende auch vorführen konnte. Zwei Powerpoint-Präsentationen stellten die Arbeit mit unbegleiteten Flüchtlingen des bereits fünf Jahre laufenden "KOMM"-Projekts und Eindrücke vom Kinder -und Jugendtreff des Vereins in der Hochäckerstraße vor. Schließlich berichtete Frau Melcher-Ledermann vom Stadtjugendamt über das gemeinsam mit Hilfe von Mensch zu Mensch durchgeführte Projekt "Kroatisch-Deutsche" und "Serbisch-Deutsche" Elternbriefe für junge Familien aus den Balkanländern in München.

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Der zweite Teil des Nachmittagsprogramms rief mit den preisgekrönten Filmen "Milan" von Michaela Kezele und "Grbavica" (Esmas Geheimnis) von Jasmila Žbanić eine andere Seite der Wirklichkeit des Balkanraums in den letzten 15 Jahren in Erinnerung: Im dem Kurzfilm "Milan" werden die tragischen Auswirkungen der Nato-Bombardierung von Serbien im Jahre 1999 auf die Menschen gezeigt. Der 2006 mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnete Spielfilm "Grbavica" greift das oftmals verschwiegene Thema Vergewaltigung von Frauen durch Soldaten auf und erinnert an die noch lange nicht verheilten Wunden der Kriege auf dem Balkan. Nach diesem nachdenklichen Aspekt war der schwungvolle Auftritt der Gruppe "Danica" für viele Besucher der Balkantage wie eine Befreiung.

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Insgesamt ein anspruchsvolles und vielfältiges Programm, das sich so leicht nicht übertreffen lässt. Nicht zu vergessen sind auch die kulinarischen Köstlichkeiten aus dem Balkanraum, die in den Pausen verzehrt werden konnten. Wie sagte ein Besucher, der mehr oder weniger "zufällig" in das Münchner Goetheforum gekommen war: "Ich wusste nicht, dass es so etwas in München gibt, und hoffe, dass ihr die Balkantage zu einer bleibenden Einrichtung in München macht!"

München, den 18.Oktober 2007
Text: Sadija Klepo und Dr. Dieter Hüttner
Fotos: Dr. Michael Hölscher, Olga Mirenska, Annette Kolb

Veranstalter

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Veranstalter der Balkantage ist der 1992 gegründete Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Informationen zum Verein finden Sie unter: www.hvmzv.de.

Pressekontakt

Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Muhjidin Musinbegovic
muhjidin.musinbegovic@hvmzm.de

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