Balkantage 2011

Besuch und Vortrag

Besuch und Vortrag des Hohen Repräsentanten von Bosnien-Herzegowina Valentin Inzko

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Der absolute Höhepunkt am Samstag waren die Ausführungen des Hohen Repräsentanten von Bosnien-Herzegowina, Valentin Inzko, dessen Vortrag durch den EU-Abgeordneten Bernd Posselt eingeleitet wurde. Posselt stellte mit der ihm eigenen Präzision dar, dass Demokratie nicht unbeschränkte Herrschaft der Mehrheit bedeuten kann, sondern dass zum Kennzeichen eines demokratischen Staatswesens auch die Achtung der Rechte der Minderheiten gehört und dass deswegen Demokratie und Recht untrennbar miteinander verbunden sein müssen.In den neuen Balkanländern, die nach der Auflösung Jugoslawiens entstanden sind, gibt es durchaus die Fähigkeit und Bereitschaft für demokratisches Handeln und die Einhaltung demokratischer Spielregeln, auch wenn die Ablöse von autokratischen Verhaltensweisen der „alten Garden“ ein Prozess ist, der noch nicht überall vollzogen wurde. Das ist das Fazit der Podiumsdiskussion, die sich mit dem Thema „Demokratie und demokratisches Denken auf dem Balkan“ beschäftigte. Teilnehmer auf dem Podium waren die streitbare EU-Abgeordnete Doris Pack, der Politologe Prof. Dr. Cipek aus Zagreb, der Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung Peter-Andreas Bochmann aus Sofia und der Direktor des Südost-Instituts Prof, Dr. Brunnbauer. Durch die komplexen Themen und Zusammenhänge steuerte mit Geduld und Sachverstand Dr. Andreas Ernst, der Korrespondent der Neuen Züricher Zeitung aus Belgrad.

Mit viel Wärme und Verständnis für die Menschen in Bosnien-Herzegowina, gleich ob sie Serben, Kroaten oder Muslime sind oder den weiteren 16 Minderheiten des Landes angehören, machte Valentin Inzko klar, dass demokratisches Denken in Bosnien-Herzegowina keine Utopie ist, sondern dass über Jahrhunderte hinweg die Achtung des Anderen in Bosnien eine Tradition hat. Als Beispiel führte er an, dass Sarajewo wie Toledo in Spanien eine der beiden Städte war, in denen es kein Ghetto für die jüdische Bevölkerung gab. Auch in der heute anscheinend aussichtslosen politischen Situation, die durch den Vertrag von Dayton geschaffen wurde, sieht Inzko in den vor kurzem demokratisch gewählten aufgeschlossenen Bürgermeistern der Städte und Gemeinden und in der jungen Generation Kräfte erwachsen, die das Land aus der scheinbaren politischen Erstarrung von heute herausführen werden. Nach all den negativen Nachrichten, die uns ständig aus Bosnien-Herzegowina erreichen, waren die sachkundigen Darlegungen des Hohen Repräsentanten eine hoffnungsvolle Botschaft, die einen würdigen Abschluss des wissenschaftlichen und politischen Teiles der Balkantage bildeten und entsprechend auch viel Beifall und Anerkennung fanden.

Veranstalter

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Veranstalter der Balkantage ist der 1992 gegründete Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Informationen zum Verein finden Sie unter: www.hvmzv.de.

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Muhjidin Musinbegovic
muhjidin.musinbegovic@hvmzm.de

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