Balkantage 2012

Vorträge und Lesungen

Am Samstag den, 17. November 2012 während im großen Saal die Vorführungen der Kulturgruppen stattfanden, hatte im Vortragssaal der Mitveranstalter, das Institut für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS), Lesungen und Vorträge angeboten. Der Samstagnachmittag stand im gut besuchten Vortragssaal des Sudetendeutschen Hauses im Zeichen von Literarischem, aktueller Politik und internationaler Strafverfolgung der Kriegsverbrechen während der jugoslawischen Nachfolgekriege. Zunächst las die Autorin Danijela Albrecht aus ihren süßbitteren bosnisch-herzegowinischen Kurzgeschichten unter dem Titel ‚Balkan bittersüß‘. Anschließend trug unter Moderation der Deutsch-bulgarischen Vereinigung in Bayern e.V. der zum Balkan bestens ausgewiesene Berliner Radiojournalist Mirko Schwanitz schwungvoll-poetisch aus einer seiner Reportagen vor. Längs einer Reise von Albanien nach Bulgarien ging es um den künstlerischen Umgang mit den mühevollen gesellschaftlichen Verhältnissen in den Ländern zwischen der Adria und dem Schwarzen Meer.

Für den Rest des Nachmittags und frühen Abends übernahm in Moderation durch Konrad Clewing das Institut für Ost- und Südosteuropaforschung die organisatorische Stafette. Zunächst trug die Grazer Zeithistorikerin Armina Galijaš vor über „Bosnien-Herzegowina. Krieg, gesellschaftliche Stagnation und politischer Rückschritt in einem unfertigen Land“. Der Grundstrich ihrer persönlich gehaltenen Perspektive war positiver, als der Titel erwarten ließ. Zwar sei Bosnien-Herzegowina politisch gesehen mitten im Stillstand, aber gesellschaftliche Signale (die vielfache Angabe von nicht-nationalen Eigenkennzeichnungen beim jüngsten Mikrozensus ebenso wie eine vergrößerte Offenheit im wissenschaftlichen Umgang mit der Kriegsvergangenheit) gaben ihr Anlass zu Hoffnung auf langfristigen Wandel. Auch im anschließenden Vortrag stand erneut Bosnien-Herzegowina im Mittelpunkt. Der Vortragende war Günter Schweiger, österreichischer Kriminalbeamter und stellvertretender Leiter des Sarajevoer Büros des Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. Nüchtern und informativ referierte Herr Schweiger in Vertretung des Chefanklägers seiner Behörde über „Gerechtigkeit auf dem und für den Balkan. Die Arbeit der Anklagebehörde des ICTY in Den Haag“. Angesichts der häufigen Kritik am Wirken des Gerichtshofes in den betroffenen Ländern umso eindrucksvoller war seine Erinnerung daran, dass das Wirken des 1993 begründeten Strafgerichtshofes zunächst für nahezu ein Jahrzehnt von der Nichtkooperation sowohl Serbiens als auch Kroatiens geprägt gewesen ist. Dennoch hat man die Strafverfolgung einer Vielzahl von den gravierendsten Tatverdachten erreicht. Als herbe Enttäuschung für die Anklagebehörde stufte Herr Schweiger indessen die am Vortag ergangenen Aufhebungen der Verurteilungen der beiden kroatischen Generäle Gotovina und Markač ein.

Veranstalter

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Veranstalter der Balkantage ist der 1992 gegründete Migrantenverein Hilfe von Mensch zu Mensch e.V. Informationen zum Verein finden Sie unter: www.hvmzv.de.

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Hilfe von Mensch zu Mensch e.V.
Muhjidin Musinbegovic
muhjidin.musinbegovic@hvmzm.de

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